Mittwoch, 11. Mai 2011

Luciamorgon



Der Luciamorgen.
Einen Tag nach dem Ball war es soweit: Nach der Kostprobe beim Ball trat der Luciazug "richtig" auf. Zwar ist Lucia eigentlich am 13. Dezember, aber wie sich die meisten von euch sicher erinnern werden war der 13. Dezember letzten Jahres ein Montag, und wie man am Ende des Textes verstehen wird wäre Montag für diese Prozedur eher ungeeinet. Beim Luciazug sind alle in weiße Gewänder gekleidet, die Damen mit roten Bändern, die Herren mit einem Sternenhut. Die Heilige Lucia hat einen Kerzenkranz auf dem Kopf. Einerseits ist es eine Ehre, die Lucia sein zu dürfen. Andererseits hat man hinterher die Haare voll Wachs. Gut ein Mann zu sein und sich keine Gedanken machen zu müssen, ob man Lucia sein will oder nicht. Um absolut unchristliche 7 Uhr morgens trifft man sich, um den Zug zu beginnen. Früh fühlt sich das vor allem deshalb an, weil am Abend zuvor eben das Gasque war, und zwar bis um 4 Uhr… . Gab durchaus einige, die die Nacht nicht geschlafen haben. Ich hatte immerhin eine Stunde oder so. :-) Der Tradition folgend zieht der Chor zunächst zum Inspektor der Nation, dann zum alten ersten Kurator, zum am vergangenen Abend gewählten neuen ersten Kurator, und zum zweiten und dritten Kurator der Nation (alles wichtige Leute, denen man die Ehre erweist). Nun, ich hatte Glück. Die Reise begann beim Inspektor, und dort wohnte ich ja. :-) Außerdem entfielen auch erster und zweiter Kurator. Trotzdem war es kalt und anstrengend. Aber gleichzeitig auch sehr schön! Eine sehr feierliche Stimmung, und wunderschöne Lieder. Die Stimmung lässt sich durch das Bild vielleicht ein wenig erahnen. :-)

Dienstag, 10. Mai 2011

Das Luccegasque


Letztendlich habe ich es dann doch geschafft, nochmal auf ein Gasque zu gehen. Das zweite Semester war es mir angesichts des zunehmenden Diplomarbeitsstresses nicht gelungen. Dann aber! Und es war auch gleich Hannas erstes richtiges Gasque in der Nation. Es war gewohnt gut, mit viel Gesang, wenn natürlich auch qualitativ nicht so gut wie im Chor. ;-) Dafür gab es wirklich Unmengen an Essen, also Ununmengen, und es kann niemanden an diesem Abend gegeben haben der nicht satt wurde. Es wurden gleich drei Buffets aufgetischt: Zuerst ein kaltes Buffet, mit eingelegtem Hering in verschiedenen Soßen, Wurst, Käse, Lachs, Brotsorten, dem berühmten schwedischen Weihnachtsschinken und vielem mehr. Weiter ging es mit einem warmen Buffet, mit Köttbullar, Janssons Frestelse (Janssons Versuchung, ein Kartoffel-Anchovi-Auflauf; sehr lecker!), Rotkohl, Würstchen, und neben ganz vielem anderen auch einem fantastischen Grünkohlsalat. Das Nachtischbuffet hat dann die meisten an ihre kapazitiven Grenzen geführt, mit Eiskonfekt, Pralinen, Milchreis, Pfefferkuchen und fragt nicht was noch. Doch, am Ende war ich wirklich ziemlich satt! Zwischendrin hatte ich mit dem Chor noch einen Auftritt. Denn „Lucce“ bei Luccegasque steht für Lucia, und zwar Santa Lucia. Eine Heilige, der zu Ehren es am 13. Dezember gefeiert wird, und zwar mit dem traditionellen Luciazug. Nun war das Gasque schon zwei Tage früher, aber aufgetreten sind wir natürlich trotzdem. :-)

Montag, 9. Mai 2011

Das Adventskonzert


Anlässlich eines Adventsgottesdienstes hatten wir in einer Kirche einige schöne schwedische Weihnachtslieder vorgetragen. Wir waren nicht die einzigen, die aufgetreten sind, aber die einzigen, bei denen es Applaus gab, was man sich bei den Auftritten zuvor noch verkniffen hatte (Kirche). Wenn das mal nichts heißt! Und das hat doch ein wenig entschädigt für die bittere Kälte, die wir in der Kirche, vor allem aber auf dem Weg dorthin erleiden mussten. Brrrr!
Mal sehen wer es als erstes schafft mich oder Teile von mir zu entdecken. :-) (Wie immer vergrößert sich das Bild, wenn man draufklickt. Tipp: Haare;-) )

Sonntag, 8. Mai 2011

Die letzten Tage in Schweden

Liebe Leserinnen und Leser,

nun ist der Tag des Abschiedes gekommen. Des Abschiedes von diesem Blog. Aus Schweden habe ich mich ja schon vor geraumer Zeit verabschiedet. Es war ein turbulenter Dezember, mit Abschieden vom Chor, von meiner Gastfamilie und von der Arbeitsgruppe, mit Festen, aber auch mit noch ein wenig Arbeit, die halt so anfällt wenn man seinen Arbeitsplatz räumen muss.
Leider bin ich damals wegen der vielen Ereignisse nicht dazu gekommen alles für euch zu dokumentieren. Heute kräht natürlich kein Hahn mehr danach. Dennoch möchte ich euch noch ein paar letzte Bilder präsentieren, damit dieser Blog einen würdigen Abschluss findet. Und Bilder waren euch doch eh immer am liebsten, nicht wahr? ;-)




Der Herbstball

Er ist das Pendant zum Frühlingsball, nur das dieses Mal am Abend zuvor die Damen ein Ständchen für die Herren bringen. Auch eine schöne Sache, kann ich berichten. :-) Beim Ball selber haben Hanna und ich es uns nicht nehmen lassen wieder etwas vorzuführen. Wir haben den Schweden ein typisch deutsches Lied beigebracht: „Eisgekühlter Bommerlunder“. Wie ihr seht haben wir uns dazu auch noch eine ausgefeilte Performance ausgedacht. Ihr kommt nie drauf wie wir den „Schinken“ in dem Lied symbolisiert haben. :-) Für alle, die jetzt entsetzt sind welches Liedgut wir da exportieren: Die Kenntnisse der deutschen Musikkultur beschränkten sich bei den meisten Schweden auf Rammstein oder auch Matthias Reims „Verdammt, ich lieb dich“. Offenbar konnte letzterer ohne daran gehindert zu werden auch noch ein Lied „Verdammt, ich lieb dich immer noch“ rausbringen, wie ich von kundigen Schweden erfahren habe. Wir haben also nicht viel kaputt gemacht. ;-)

Samstag, 11. Dezember 2010

Back for good

Liebe Leute!

Wie vermutlich die meisten von euch bereits mitbekommen haben, habe ich es geschafft die Diplomarbeit einzureichen und damit den stressigen Teil dieses Jahres abzuschließen. Jetzt bleibt mir noch eine satte Woche, um ein wenig Freizeit hier zu genießen. :-)

Vorher mussten allerdings noch einige Kleinigkeiten an der Uni erledigt werden. So Kleinigkeiten, die sich dann zu geschlagenen drei Tagen an der Uni auswachsen, man kennt das ja. Eine lustige Sache war, dass ich noch mal den Fika-Dienst für das Freitagsseminar hatte. Freitags ist ja im Department immer ein Seminarvortrag, in dessen Rahmen es dann auch Kaffee und Süßgebäck gibt. Jede Woche hat jemand anderes die ehrenvolle Aufgabe dann für 40 Leute Kaffee und Tee zu kochen. Wenigstens wird das Gebäck von einer Bäckerei angeliefert und man muss das nicht alles selbst backen. Jedenfalls hatte ich schon äußerst erfolgreich verdrängt, dass ich auch noch mal auf der Liste stehe, bis mir dann in einem unvorsichtigen Augenblick mein Vorgänger auf der Liste die "Goldene Kaffeedose" in die Hand gedrückt hat, die anzeigt dass man diese Woche Dienst hat. Nun ja, durfte ich also an dem eigentlich als frei geplanten Freitag morgens um 9 Uhr Kaffee kochen.

Das lief auch alles ganz gut, denn wie bekannt ist bin ich unheimlich professionell wenn es ans Kaffeekochen und Gebäck essen anrichten geht. Zu dem Seminar selbst gibt es allerdings noch eine nette Anekdote zu berichten.
Im Anschluss an den Vortrag werden nämlich immer einige Bekanntmachungen gemacht. Zuerst kommt die Sekretärin, deren Ermahnung sich doch frappierend von Mal zu Mal gleichen ("Reiserechnungen rechtzeitig einreichen", "Veröffentlichte Paper zentral melden",...). Dann wird der Chief des Departments, Shi-Li (Chinese), ebenfalls schrecklich wichtige Dinge los, die mich in der Regel zu 99% nicht betreffen. Ist aber manchmal trotzdem ganz lustig. So wie gestern. Und zwar gab es folgende Bekanntmachung:
Am kommenden Dienstag kommen ein paar unheimlich wichtige Menschen (warum die wichtig sind wusste er nicht, nur dass) der Universität, um sich von 9 Uhr bis 9.30 Uhr den Reinraum anzuschauen. Ich habe den dunklen Verdacht, dass diese Menschen sowohl Entscheidungsgewalt wie auch finanzielle Mittel mit sich bringen. Und nun war also die Maßgabe: Dienstag, von 9 Uhr bis 9.30 Uhr, haben sich doch bitte ausnahmslos alle (!) im Reinraum aufzuhalten, damit es auch ja sehr betriebsam aussieht und den Herren klar wird, wie wichtig der Reinraum für uns ist!
...
Ich wollte ihm gerade zu diesem gelungenen Witz gratulieren, als ich an den Reaktionen der anderen merkte, dass es wohl Ernst sein muss. Und die Begründung für diese Posse lieferte der Chef gleich nach. Offenbar wäre es der Kommission nicht begreiflich zu machen, dass man eine Maschine nur morgens anwerfen muss um zwei Stunden später das Ergebnis zu begutachten, sondern die müssten Aktivität sehen, um zu erkennen wie wichtig der Reinraum ist. Deshalb sollten sich also alle zur besagten Zeit im Reinraum aufhalten. Warum die Herren der Bürokratie ihren Besuch dann so explizit ankündigen, und ob sie nicht der Meinung sein könnten dass die Büroräume völlig überflüssig sind wenn sich doch eh alle im Reinraum aufhalten, oder was sie gegebenenfalls denken würden wenn sie exakt die gleichen Leute dann von 9.30 Uhr bis 10 Uhr ein Stockwerk höher im Korridor rumwuseln sehen - das ist hingegen nicht überliefert.
Bleibt als Krönung nur noch die Wortmeldung eines Doktoranden zu berichten, der da meinte: Wenn wir denn dann im Reinraum sein sollen - was sollen wir da eigentlich machen?

Viele Grüße!

Hendrik

Sonntag, 24. Oktober 2010

Ein Lebenszeichen

Liebe Leser,

dass hier im Blog gerade nicht so viel los ist wird vermutlich niemanden mehr wundern, wo es doch die letzte Zeit schon etwas ruhiger wurde. Ich würde auch schrecklich gern mehr schreiben, zum Beispiel dass es hier das erste Mal geschneit hat (nichts liegen geblieben), ich gerade mal wieder öfters bei der Familie mitessen darf (nichts übrig geblieben) oder ich die Präsentation der Ergebnisse meiner Diplomarbeit hatte (keine Fragen offen geblieben). Allerdings ist es nun so, dass die meisten unter euch vermutlich auch sonst nichts mehr von mir gehört haben, sei es per Mail oder per Skype. Und das, obwohl mir spontan einige Leute einfallen, für die sogar noch eine Antwort auf die letzte Mail aussteht. Ja, das hat alles einen Grund. Und zwar schreibe ich gerade an meiner Diplomarbeit. Und nicht nur, dass es ja generell schon eine Menge Arbeit ist, die Frist innerhalb der ich glaubte fertig schreiben zu müssen hat sich auch noch spontan halbiert. Die Bude brennt also, könnte man sagen. Deshalb ist mein Erstwohnsitz inzwischen die Uni, und keine Zeit für nichts anderes bleibt nicht mehr. Deshalb sind auch Mails bei mir momentan zwischengelagert, aber nicht vergessen, und werden dann hoffentlich beizeiten beantwortet.

Ich wollte es euch nur wissen lassen, damit niemand glaubt er wäre mir entfallen.

Viele Grüße aus der Denkblase!

Hendrik

Freitag, 1. Oktober 2010

Minusgrade – und ein Abschied

Hallo Freunde

des gepflegten Schriftbildes. Zwar gibt es momentan von mir nicht viel Neues zu erzählen, aber dann widme ich mich doch einfach mal wieder dem Lande. Zwei kleine Geschehnisse, die ich für erwähnenswert halte, gibt es nämlich zu berichten.

Der erste Frost


Angeblich schon vorgestern, aber auf jeden Fall unüberspürbar gestern war es soweit: Die kalte Jahreszeit hat in Schweden begonnen. Sichtbares Zeichen war das Thermometer morgens bei 0°C sowie der Raureif allenthalben, aber auch ohne hätte ich morgens auf dem Fahrrad unzweifelhaft gespürt, dass es hier sehr kalt geworden ist. Ohne Handschuhe wird es schon wieder verdammt kalt. Und die dünne Sommerjacke hält auch nicht mehr wirklich warm. Dabei hatte ich doch eigentlich nicht vor die Sachen vor Dezember rauszukramen… . :-/
Einen kleinen Vorteil hat die ganze Sache allerdings: Heute Morgen habe ich mit meinem Fahrrad endlich mal wieder nahe am Uni-Eingang parken können. :-)

50 Öre


Auch wenn man es bei dem Titel vermuten könnte (sofern man lebendiger Teil der weltweiten Hiphop-Szene ist), so geht es im Folgenden nicht um einen aufstrebenden schwedischen Rapper (50 Cent lässt grüßen), sondern um das knallharte Thema Geld. Wie ich nämlich gestern Morgen aus dem Radio erfahren musste, wird der schwedische Zahlungsverkehr um ein Geldstück ärmer: Die 50 Öre-Münze wird abgeschafft.
Nun ist es so, dass Schweden bis zum gestrigen Tage die Abstufungen 1000 Kronen- (habe ich bisher weder gesehen noch aus dem Automaten bekommen), 500 Kronen-, 100 Kronen-, 50 Kronen- und 20 Kronen-Schein sowie 10 Kronen-, 5 Kronen, 1 Krone- und 50 Öre-Münzen gibt. Rein nominell gibt es zwar im Laden Preise bist auf den Cent genau; man verzichtet also nicht auf die 9,90-Angebote. Zahlen tut man dann allerdings die vollen 10 Kronen – zumindest, wenn man nur diesen einen Artikel kauft. Ansonsten wird der Warenkorb korrekt zusammengerechnet und der Endpreis dann kaufmännisch auf 50 Öre gerundet. Doch damit ist es nun offenbar wohl auch vorbei und es dürfte ab jetzt auf die Krone (~10 Cent) genau gerundet werden. Damit kann man mit den 50 Öre jetzt auch nicht mehr bezahlen, aber immerhin, so entnahm ich dem Bericht heute Morgen, kann man das Geld in der Bank umtauschen lassen. Momentan nenne ich genau ein 50 Öre-Stück mein eigen, wie eine kurze Überprüfung meines Geldbeutels ergab. Ich denke ich werde dann damit mal zur Bank spazieren und es gegen Kronen eintauschen lassen. Hoffentlich wird dabei dann auch kaufmännisch gerundet. :-)

Viele Grüße aus dem kalten Norden!

Hendrik

Samstag, 18. September 2010

Innebandy

Hallo zusammen,

ich kann dieses Land und diesen Blog natürlich nicht verlassen, ohne irgendwann mal etwas über Innebandy zu schreiben.

Keine Frage, wer mich kennt wird früher oder später schon einmal etwas von mir dazu gehört haben, manch einer hat mich vielleicht sogar übers Innebandy kennengelernt. :-) Aber um dieses diffuse Bild über's Hockey, wie ich es meist einfach nenne, etwas klarer zu gestalten, soll dieser heutige Blogeintrag dienen.

Innebandy ist eine Sportart mit vielen Namen, international Floorball genannt, in Deutschland auch Unihockey, ohne dabei mit "Hockey als Unisport" verwechselt werden zu wollen!  Innebandy ist der schwedische Name, und ich habe diese Sportart nicht nur in Schweden kennen gelernt, nein, wer hat's erfunden? Genau: Die Schweizer. Und zwar mit den Schweden (und Finnen) gemeinsam. Und so kann man Schweden gut und gern als Mutterland des Innebandys bezeichnen, haben sie doch auch bei den Herren 6 der bisher 7 stattgefundenen Weltmeisterschaften gewonnen (bei den Damen waren es 4 von 7). Es ist hier auch fraglos eine sehr beliebte Sportart, wie man auch an einer später folgenden Anekdote ablesen kann.
Der Name ist übrigens abgeleitet von dem noch populäreren "Bandy", einer Sportart, die ans Eishockey erinnert, aber ähnlich wie Fußball auf einem Feld dieser Größe mit 11 Leuten gespielt wird. Naja, und Innebandy geht so ein bisschen wie Bandy, nur halt drinnen, also "inne". :-)

Wie geht also Innebandy?  Das Schöne an der Sportart ist, dass sie in ihren Grundzügen sehr einfach ist, so dass jeder vom ersten Training an gleich loslegen kann (im Gegensatz zum Beispiel zum Cricket, dessen Regeln ja kein Mensch versteht (wenn doch, bitte bei mir melden), oder auch nur Tennis (wer kam eigentlich auf die Idee, die Punkte in Schritten von "15, 30 und 40" zu zählen??). Eigentlich ist es nur: 2 Tore, 2 Mannschaften, jeder außer dem Torwart ein Schläger, ein Ball mit 26 Löchern - und das Ziel, den Ball öfter als die andere Mannschaft in gegnerische Tor zu befördern. Kein Abseits, kein Aus, kein "Handspiel" oder "Fußspiel" (wie beim Feldhockey), und die Punkte werden auch normal gezählt (1 Tor - ein Punkt). Natürlich hat auch dieses Spiel ein paar Feinheiten, so darf man den Schläger zum Schutze des Gegners nicht über Kniehöhe ausholen, aber alles in allem bleibt es doch ein sehr einfacher Sport, weshalb er meines Wissens heute auch in Schulen im Kommen ist. Denn auch für weniger sportliche Menschen ist es leicht, früh Erfolgserlebnisse zu haben.

Nichtsdestotrotz ist es ein wahnsinnig intensiver, schneller und anstrengender Sport. Nicht selten hat man bereits nach 2 Minuten das Gefühl, für alle Zeiten mit Sport abgeschlossen zu haben. Irgendwie hält man dann aber doch eine Stunde durch. In "richtigen" Spielen wird übrigens fliegend gewechselt. Man kann sich also richtig verausgaben, und noch dazu kommen sowohl laufstarke wie auch technisch versierte Menschen auf ihre Kosten. Darüberhinaus geht es wahnsinnig schnell zur Sache. Gerade noch für die eine Mannschaft bedrohlich vor ihrem Tor, kann sie bereits 4-5 Sekunden später selbst ein Tor geschossen haben. Man muss wirklich sehr gedankenschnell sein, möchte man mit guten Spielern mithalten.

Eine ganz besondere Faszination macht dann in meinen Augen noch aus, welche Kunststücke man mit Hilfe des Schlägers dann vollziehen kann. Da der Schläger vorn leicht gebogen ist, ermöglicht er besondere Schuss- und Lupftechniken, aber Leckereien wie die folgende (man braucht oft die Zeitlupe um zu begreifen, was beim Innebandy gerade geschehen ist):


Krass, oder?

Kommen wir nun langsam aber sicher zu dem aktuellen Anlass dieses Blogeintrages.
Die Geschichte des Innebandys beginnt für mich 2007. Damals spielte ich es zum ersten Mal. In meiner Nation in Uppsala gab es zu der Zeit die Gelegenheit sich der Gruppe anzuschließen, die sich einmal die Woche zum lockeren Spiel traf. Natürlich war ich insbesondere am Anfang der Schlechteste, aber irgendwie hat es doch ziemlich Spaß gemacht. Und so überlegte ich auch in Deutschland weiterzuspielen. Und 2008 war es dann endlich soweit: Ich schloss mich der Gruppe im Unisport in Konstanz an. Welch weise Entscheidung! Ich hatte das Glück, dass die Leute nett waren (dafür habe ich auch teilweise selbst gesorgt indem ich einfach die netten Leute die ich kannte nach und nach überredet habe mitzukommen), aber vor allem einen super Trainer! Der nicht nur vermochte, eine positive Grundstimmung in die Gruppe zu bringen, sondern auch durch seine Erfahrung unter anderem als Bundes- und Nationalspieler (wenn ich jetzt nicht Angst hätte was durcheinander zu bekommen würde ich sogar behaupten er war in der ersten deutschen Unihockey-Nationalmannschaft) sehr viel weitergeben und beibringen konnte. Auf das Beispiel Fußball übertragen müsst ihr euch das also ungefähr so vorstellen als hätte ich es in England kennengelernt und meine Fähigkeiten unter Franz Beckenbauer dann perfektioniert. So ungefähr kommt das hin. :-)

Nun ja, und was läge näher, als jetzt den Kreis zu schließen und mit dem neugewonnenen Können zu schauen, wie ich jetzt in Schweden klarkomme? Genau. Und letzte Woche hatte ich es endlich geschafft, die vielen Widrigkeiten aus dem Weg zu räumen, die sich mir in den selbigen gestellt hatten: Ich habe die Verletzung auskuriert, ich habe den Gruppe gewechselt (die erste hatte ihren Dienst nach meiner Anmeldung samt Bezahlung eingestellt, wobei ich da keinen kausalen Zusammenhang annehmen möchte), habe die 3-monatigen Sommerferien abgewartet, geduldig ertragen dass die ersten drei Male danach ausfielen, und dann war es endlich soweit: Ich konnte wieder spielen. :-) Etwas holprig noch anfangs, etwas eingeschüchtert durch die Stärke der Mitspieler, aber dann doch immer munterer aufspielend. Bis zur 27. Minute! (Der Zeitpunkt ist aus dramaturgischen Gründen gewählt, in Wirklichkeit habe ich natürlich nicht auf die Uhr geschaut.) Da sah die Situation nämlich wie folgt aus:


Schläger kaputt. Einfach so! Der damit abgefeuerte Schuss wäre sicherlich reingegangen (so war es nur der Pfosten), aber der Schuss selbst kann kaum Erklärung sein, irgendwie muss der Schläger vorher im Getümmel (und die Knaben gehen keineswegs zimperlich zur Sache!) angeknackst worden sein. Äußerst betrüblich! Nun werde ich mir also einen neuen Schläger kaufen müssen, wo mir der alte doch sehr ans Herz gewachsen war und für einige Tore gut war.

Dennnoch noch ein paar "Actionbilder", im Spiel geschossen.


Auch wenn der Eindruck aufkommen mag: Es ist eine Sportart, die man keineswegs nackt ausüben muss. Allerdings erweist es sich als sehr zweckmäßig um die beiden Mannschaften zu unterscheiden. Und wenn man sich erst einmal damit abgefunden hat mit nackten, nassen Männeroberkörpern in Kontakt zu kommen (ich weiß, die weiblichen Leser träumen sich gerade hierher), geht es auch.
Interessant ist übrigens auch, wie hier die Mannschaften eingeteilt werden. Es wird nicht gewählt oder nach T-Shirt-Farbe bestimmt, sondern alle werfen den Schläger in die Mitte, und dann teilt die einer "blind" auf zwei Haufen, und schwupps ist die Mannschaft fertig. Das hat dann zwar mal zur Folge, dass man (wie gestern) 3 Mal hintereinander gegen die ganzen Guten spielen darf, aber das wird dann knallhart durchgezogen. Hab trotzdem 4 Tore geschossen. :-)

Nun zu der eingangs erwähnten Anekdote. Gestern erwähnte ich beim Mittagessen in der Uni nach meinen Wochenendplänen gefragt, dass ich in der Stadt einen neuen Hockeyschläger kaufen möchte. Und da bot mir ein Kollege direkt an, ich könnte für den Abend seinen leihen, der stünde bei ihm im Büro. Und so kam es dann auch. Und ich denke, wenn eine Sportart jedem bekannt ist und viele es schon einmal gespielt haben oder sogar einen Schläger parat haben, kann man fraglos davon sprechen, dass die Sportart in der Bevölkerung fest verankert ist. :-)

Nun wisst ihr also was Innebandy ist. Also worauf wartet ihr, probiert's mal aus, macht echt Spaß! :-)

Viele Grüße!

Hendrik

Montag, 30. August 2010

Abschiedsfeier

Hallo liebe Leute,

einige von euch mögen vielleicht schon nicht mehr daran geglaubt haben, aber tatsächlich: Ich schreibe wieder! :-) Nicht, dass ich gerade sonderlich viel Zeit dazu hätte, aber damit im August wenigstens ein Eintrag steht muss ich jetzt wohl oder übel ran. Mal sehen, wann der Erste den Beitrag entdeckt... .

Der Inhalt ist weit weniger schockierend als man es beim Lesen der Überschrift annehmen könnten. Ich verlasse nämlich noch nicht das Land, 3 Monate habe ich ja noch. Es handelt sich um den Abschied von jemand anderem, nämlich dem Österreicher aus meiner Gruppe. Er hat auch Diplomarbeit gemacht, allerdings ein halbes Jahr, so dass er nach mir kam und nun vor mir wieder geht.
Da er eine recht kleine Wohnung hat, hat er bei Lotten gefeiert. Gut, das war nicht so dreist wie es sich auf den ersten Blick anhört, sondern haben wohl seine Frau und Lotten ausgeküngelt. Wie dem auch sei, Lotten hat ein schönes schwedisches Haus, wo sich das sehr gut verwirklichen ließ.

Halten wir uns nicht mit Nebensächlichkeiten auf und kommen gleich zum Wichtigsten: Dem Essen. Ein schwedisch-österreichisches Buffet war angekündigt, und so kam es auch. Einen Ausschnitt davon zeige ich unten im Bild, und zitiere des Weiteren aus meiner Erinnerung.

Das auf dem Foto ist übrigens Lotten.

Es gab: Kalten Hackbraten (österr.: faschierter Braten), Knäckebrot, Käse, eingelegte Pepperoni, Lachs, Krabbenmajonäse, Hühnchenschlegel, Paprika-Kartoffel-Gemüse aus dem Backofen, Salat, Tomate-Mozzarella, Sauerfleisch, Pfifferlinge mit Möhren (...), Oliven und vermutlich noch mehr. Nachdem wir uns daran gütlich getan hatten gab es sogar noch Apfelkuchen und Schokokuchen zum Nachtisch. Man war also satt hinterher (ja, auch ich!). 

Eingeladen war neben ein paar Freunden von dem Österreicher (ich spare mir hier die Einführung seines Namens, da ich ob seiner baldigen Abreise keine weiteren Blogeinträge zu ihm plane) mehr oder weniger die ganze Gruppe, die auch fast vollzählig erschien. Frauen und Kinder waren ausdrücklich miteingeladen, wie man auch am Bild unten sehen kann.

Im Uhrzeigersinn: Tomas' Frau deren Name ich immer vergesse, Sebastian, Lottens Tochter deren Namen ich nicht vergessen habe (kannte ihn nicht), Lotten, Uwe, Aläksohndrö (Franzose), Lukas der Österreicher. Vorne Ewa (Eva?), Tochter von Tomas. Wisster Bescheid. ;-)

Über die Themen des Abends fehlt mir ein wenig die Erinnerung, aber muss wohl ganz nett gewesen sein, sonst wäre ich nicht als Letzter gegangen. Wobei ich natürlich nicht als Allerletzter ging, sondern zusammen mit den anderen Deutschen.

Ja, so war das. Physiker können also auch Spaß haben, und das nicht nur wenn sie vor einem Teilchenbeschleuniger stehen. Wäre das auch bewiesen. :-)

Viele Grüße!

Hendrik

Donnerstag, 1. Juli 2010

Mittsommer


Hallo zusammen,
ich sitze gerade gemütlich in der Frühlingssonne und schreibe an meinem neuen Computer einen Blogeintrag. Die Möglichkeit dazu eröffnet mir eine Art „Kurzurlaub“, den ich gerade habe.  Wie kam es dazu?
Nun, trotz der vielen Arbeit gilt natürlich immer noch der Grundsatz „Man muss die Feste feiern wie sie fallen.“, und gerade war ein sehr wichtiges Fest in Schweden: Das Mittsommerfest (midsommarafton). Und wer sich nun fragt ob ich hier nicht etwas leichtfertig nichtige Anlässe ausnutze, um etwas freizumachen, und ob ich mir dann auch bei Viktorias Hochzeit freigenommen habe, dem erwidere ich mit einem doppelten Nein. Nein, Viktorias Hochzeit war an einem Samstag, ich musste mir also nicht freinehmen (die spannende Liveübertragung habe ich wegen der parallel stattfindenden WM-Spiele leider trotzdem verpasst, was mich wohl auch nicht gerade zu einem besseren Schweden macht). Und nein, Mittsommer ist wirklich ein wichtiges Fest in Schweden, vergleichbar mit Weihnachten, wenn man den religiösen Aspekt mal außen vor lässt. Denn ähnlich wie bei diesen Festen handelt es sich auch hier um ein Fest, bei dem sich alle die können freinehmen (ausgenommen die Supermarktmenschen, aber dazu siehe mein älterer Blogeintrag), staatliche Institutionen geschlossen sind, Geschäfte in der Stadt wenn überhaupt nur bis 13 Uhr offen haben. Und auch in der Uni kam niemand (so haben es zumindest alle angekündigt, überprüft habe ich es nicht), auch wenn es ganz offiziell kein Feiertag in Schweden ist.
Dann ist es, genau wie Weihnachten auch, ein Familienfest. Also nicht wie Muttertag, wo die Mütter mit einem Bollerwagen voll Bier grölend durch die großstadtnahe Natur ziehen, oder Silvester wo viele mit Freunden feiern. Das habe ich auch bei meinem ersten Mittsommerfest erfahren müssen, als ich das erste und einzige Mal tatsächlich eine zeitlang allein auf meinem Studentenwohnheimkorridor war. Alle weg. Und sogar auf der großen vierspurigen Straße, die idyllisch am Wohnheim vorbeiführt, kam nur hin und wieder mal ein Wagen vorbei, und die ist sonst wirklich stark befahren.
Ich hoffe ich konnte klarmachen, dass es wirklich ein großes Fest in Schweden ist, und damit genug der langen Vorreden, kommen wir zu meinem Mittsommer. Wie die meisten von euch wissen bin ich ja Gastmitglied in einer schwedischen Familie, und so hatte ich dieses Mal das Glück, nicht betrübt allein auf meinem Zimmer zu sitzen, sondern ein ziemlich schwedisches Mittsommer miterleben zu können.
Wie viele schwedische Familien besitzt auch ‚meine‘ eine sogenannte sommarstuga, ein Sommerhäuschen. Das entspricht in etwa dem, was man – für die, die schon mal in Schweden Urlaub gemacht haben – als Ferienhaus mietet, und dort verbringen sie dann ihren ganzen Sommer (typischerweise den Juli, denn da machen alle Schweden Urlaub). So ein Häuschen liegt logischwerweise außerhalb größerer Städte, mitten in der schönen schwedischen Natur. Und so eines hat auch meine Gastfamilie, und dorthin fuhren wir also über Mittsommer.
 
Mittsommer ist übrigens immer an dem Freitag nach der kürzesten Nacht, soweit ich das verstanden habe (außer die kürzeste Nacht ist selbst ein Freitag, nehme ich an). Früher war das mal anders, aber weil die feierfreudigen Schweden das zum Anlass nahmen, dann mehr oder weniger gleich die ganze Woche durchzufeiern (man muss ja vorfeiern, und danach geht erst mal nix mehr), wurde das mal geändert.
Gegen Mittag waren wir am Sommerhäuschen, und zunächst gab es mal ein richtig mittsommerschwedisches Mittagessen: Hering, Kartoffeln, Schnaps etc., näheres siehe Bild. Der Schwede nennt das ‚sillunch‘ (sill= Hering, lunch= Mittagessen, übrigens: middag=Abendessen).  Sollt ja auch was lernen. ;-).
 Typisch schwedisches Mittsommermittag mit Hering. Was wäre mein Blog ohne die Essens-Bilder? Der Kicker ist übrigens nicht Bestandteil eines typischen Mittsommeressens.
Nachmittags ging es dann noch schwedischer (falls möglich) weiter. Da fuhren wir dann ins nächstgelegene Dörfchen zu den Mittsommerfestlichkeiten. Die gestalteten sich so: In einem langen Marsch, angeführt von einem Fahnenträger, abgeschlossen durch Musikanten und Menschen in traditionellen schwedischen Trachten, trugen vielen kleine schwedische Kinder eine lange grüne Schlange vom Dorfzentrum auf eine große Wiese. 
 So viele blonde Kinder. :-)
Dort lag schon die Mittsommerstange/der Mittsommerbaum, der daraufhin mit dem Grün geschmückt und unter dem Applaus der umstehenden Menge aufgerichtet wurde. Anschließend wurde der Sommer willkommen geheißen, mit einem vierfachen "Hurra!".  

Dann begann der Tanz um den Baum. Zunächst begannen die Menschen in den Trachten. Leider waren die Tänzer im Schnitt 40 Jahre zu alt, um das Ganze wirklich flott und beweglich wirken zu lassen; so hatte es in etwa die Dynamik des griechischen Angriffsspiels (oh, ich sollte trotz WM nicht in zu viele Fußballvergleiche abgleiten). Aber das war egal, denn hier geht es ja um das Grundgefühl, und das war ohne Frage schwedisch. 
 Wer entdeckt Jopi Heesters?
Nachdem die feschen Mittsiebziger also ihre Bewegungskunst der Öffentlichkeit dargelegt hatten, war der Ring frei für das gemeine Volk. Vornehmlich Kinder und deren Eltern und Großeltern strömten nun auf die Wiese, um in Ringen um die Mittsommerstange zu tanzen. Sehr schönes Bild. :-)

Sehr schön auch die Kommentare des Gastvaters , zum Beispiel als eine Art Ententanz aufgeführt wurde („So reichhaltig ist schwedische Volksgesangtradition.“), oder der gleiche Tanz nochmals in entgegengesetzte Richtung ausgeführt wurde („Ah, sehr schön, mal was komplett Neues.“). In der Tat war nicht zu übersehen, dass der Mittachtziger, der die Tänze ansagte und –führte, sein Manuskript im Auto vergessen hatte, wie er eingangs murmelte (dummerweise ins bereits angeschlossene Mikrofon). Das tat aber zumindest der Freude der Kinder und von mir keinen Abbruch. :-)
Am Rande der Veranstaltung konnte ich übrigens noch folgendes beobachten:
 Sind halt doch alles mal Wikinger gewesen, die Schweden.
 Abends haben wir den Tag dann zünftig mit Grillen abgeschlossen. Praktischerweise wird es dabei ja nicht dunkel, so dass es egal ist, wann man damit anfängt und wann aufhört. Allein Temperaturen und (wer hätt’s gedacht) die Mücken treiben einen irgendwann doch ins Haus.
 Ja, so war mein Mittsommerfest, schön das mal richtig schwedisch erleben zu können. Da der durchschnittliche Schwede an so einem Tag eine beachtliche Menge Alkohol konsumiert ist es an einem Freitag, so dass man sich das folgende Wochenende davon erholen kann. Vorteil für mich, denn so konnte ich noch ein wenig Ruhe und Beschaulichkeit des roten Häuschens und des großen Gartens in der Sommersonne (schön warm, aber nicht heiß) genießen.
Viele Grüße!
Hendrik

PS.: Erst jetzt veröffentlicht, nachdem ich die Bilder hochladen konnte.